Rassegruppe Huhntauben

 

Deutsche Modeneser


Die geschichtliche Entwicklung der Huhntauben im allgemeinen sowie der Modeneser Tauben im speziellen kann im Buch „Die Gestalt der Taube - The Artist`s Guide to Pigeon Anatomy“ S. 39 - 49 nachgeschlagen werden.

Der Deutsche Modeneser ist, wie der Name verrät, in Deutschland entstanden. Aus Oberitalien stammende Modeneser Flugtauben wurden mit anderen, im Huhntaubentyp stehenden, das heißt langbeinigen Taubenrassen verpaart. Auch verschiedene Farbentauben, Trommeltauben und Tümmler kamen zum Einsatz, galt es doch, bislang unbekannte Gefiederfarben und Zeichnungen auf den Huhntaubentyp zu übertragen. Geringe Unterschiede in den Körperproportionen der derzeit führenden Farbenschläge geben noch heute Aufschluss über die getätigten Einkreuzungen.

 

Anatomische Untersuchung

 

Die Untersuchung wurde an einem 3- jährigen Täuber der Rasse Deutsche Modeneser Schietti Schwarz durchgeführt.

Die Taube präsentierte sich  im Allgemeinverhalten vital, die Bewegungsabläufe waren flüssig und einschließlich der Flugfähigkeit artspezifisch normal.

Die im Rassestandard geforderte Drittelung der Gesamthöhe war bei Ansprache des Tieres augenscheinlich. Die im Standard geforderte ideale Körperlänge von 2/3 der Körperhöhe wurde geringfügig  überschritten.

 

Navigationsbilder mit Messpunkten

Brustbreite

Brustbreite reiner Muskelkörper und Körperlänge

 

Tabelle Anatomische Besonderheiten

 

Taubenrasse: 

Deutscher Modeneser                     

 

Farbenschlag:                            Schietti, Schwarz                     

Jahrgang / Geschlecht               2010 / 1,0     

 

Lebendgewicht

      348 g

Körperlänge, liegend

     32,0 cm

Brustbreite

       8,5 cm

Körperbreite über beide Flügel

     11,5 cm

Flügellänge gesamt

     20,0 cm

Schildlänge

     14,5 cm

Schildbreite

       8,0 cm

Brustbreite, reiner Muskelkörper

       7,0 cm

 

Knochensystem

 

 

Halswirbel

       13

Halsrippenpaare

         1  !!

Brustwirbel

         5

Brustrippenpaare

         5

Schwanzwirbel

         5+Pygostyl

 

 

Gewicht von Haut und Federn

       67,0 g

Mit  !!  markierte Ergebnisse zeigen größere Abweichungen an.

 

 

 

Gewichtsuntersuchung der Brustmuskeln

Großer Brustmuskel links:     36,3 g

Großer Brustmuskel rechts:   35,7 g

                            Im Mittel:   36,0 g

Kleiner Brustmuskel links:      6,4 g

Kleiner Brustmuskel rechts:    6,7 g

                            Im Mittel:     6,5 g

 

Gewichtsuntersuchung der Schenkelmuskulatur

(Ober- und Unterschenkel)

Links:                                       12,6 g

Rechts:                                     12,3 g

                            Im Mittel:     12,5 g

 

Bemerkungen: Das Fehlen des ersten Halsrippenpaares ist bisher bei 2 Vertretern aus der Gruppe der Farbentauben und bei einem Vertreter der untersuchten Felsentauben festgestellt worden.

 

Schnitt auf dem Brustbeinkiel, gut zu erkennen die Gefiederdicke. (zb. weiches Gefieder, lockeres Gefieder, knappes Gefieder usw.)

 

frei präparierter Rumpf

 

Blick auf Kropf, Speiseröhre und Luftröhre.

 

freigelegte Bürzelmuskulatur links und rechts des Pygostyl

 

frei präparierter Flügel, gut zu erkennen die Federspulen der Schwungfedern

 

Blick auf Ober- und Unterschenkel von rechts. Sehr gut entwickelte Schenkelmuskulatur

 

frei präparierter Körper

 

Kopf

 

Freilegen des großen Brustmuskels

 

Muskelfaserverlauf des großen Brustmuskel bis zum Ansatz an der Oberarmkopfunterseite.

 

Kleiner und großer Brustmuskel

 

Kleiner Brustmuskel

 

Brustbein mit Brustbeinkamm

 

Kopie des aktuellen Musterbildes mit Text Gesamteindruck( Deutscher Rassetaubenstandard, offizielle Musterbeschreibung des BDRG e.V.)

Bemerkungen: Das aktuelle Standardbild der Dt. Modeneser zeigt drei Zeichnungsvarianten dieser Rasse. Die Tauben sind mit kleinen Differenzen in der geforderten Drittelung der Gesamthöhe dargestellt. Die Körperlänge zeigt 2/3 der Gesamthöhe.

Im Vergleich zu Fotos von aktuellen hoch ausgezeichneten Tieren fällt die im Standardbild gezeichnete Länge der Mittelfußknochen, sprich Läufe auf. Besonders das Längenverhältnis von Lauf zu Unterschenkel bzw. dem, was man davon sieht,  irritiert.

Die Läufe scheinen gegenüber der sichtbaren Länge der Unterschenkel zu lang. Wenn man das tatsächliche Längenverhältnis von Lauf (Mittelfußknochen) zu Unterschenkel berücksichtigt und sich die natürliche Knochenlage im Taubenkörper vor Augen führt, kommt man zu der Einsicht, dass die tatsächliche anatomische Situation nicht mit dem gezeichneten Standardbild übereinstimmt.

Der Vergleich des gerasterten Musterbildes mit dem gerasterten Foto eines in Standardstellung gezeigten Originaltieres veranschaulicht, das der Beinaustritt aus dem Rumpf bei dem erstgenannten zu weit vorn dargestellt ist und somit der gesamte anatomische Verlauf mit der gezeichneten Körpersilhouette kollidiert.

Bild: Deutscher Modeneser, Schietti rotfahl , Z: P. Heymans, Bornem / B. Aus Geflügelbörse 12 / 2013, Verlag Jürgens GmbH, Germering

 

Bei dem vom Autor präparierten Modenesertäuber sind nachfolgende Beinmaße ermittelt worden:

 

Lauf vom Fußballen bis Mitte Fersengelenk                 

= 4,0 cm

Unterschenkel von Mitte Fersengelenk bis Kniegelenk   

= 7,0 cm

Oberschenkel von Kniegelenk bis Mitte Hüftgelenkkugel

= 4,5 cm      


Überträgt man die ermittelten Beinmaße maßstabgerecht in das gültige Musterbild, ergibt sich folgende Knochenlage im dargestellten Tier.

 

Das Bild zeigt deutlich die widersprüchliche Beinknochenverlaufsposition im gültigen Standardbild mit dem Verhältnis Lauflänge zur Länge der Unterschenkel- und Oberschenkelknochen.

Montiertes Modeneserskelett in natürlicher Knochenlage im lebenden Tier.

Montiertes Skelett in Standardstellung.

 

Copyright Dieter M. Fliedner 2013            

Fortsetzung folgt.