KOLUMNE      18. 11. 2013

 

Kritiker, Kritik und Kritikkompetenz

 

Es ist schon ein Kreuz mit den Kritikern. Den Einen gelten sie als weltabgewandte Spinner, den Anderen als nimmermüde Lästerer, Mäkler und Nörgler. Eigentlich sind sie nichts weiter als Menschen, die etwas prüfend beurteilen. Dass sie dabei durchaus auch „Querdenker“ sind, liegt in der Natur der Sache. Würde man ihnen ab und an Gehör schenken und würde man sein eigenes Denken und Tun hin und wieder hinterfragen, dann wäre die erste Brücke gebaut, der erste Weg geöffnet.

Die umgangssprachliche Bedeutung von Kritik ist die Kommunikation über Probleme. Sie ist die unverzichtbare Voraussetzung dafür, dass Probleme gelöst werden können.

In etablierten Ordnungen und fest gefügten Strukturen wird Kritik oft als Kränkung, ja als Ehrverletzung verstanden und als unangenehm empfunden. Der Mensch sieht seine Handlungen nicht gern in Frage gestellt. Umgekehrt erteilen Menschen auch ungern Kritik, weil sie wissen, dass diese kaum willkommen ist.

Es ist also wichtig, die Kritik nicht als Angriff gegen die eigene Person oder Organisation, sondern als nützlichen Hinweis für Handlungsverbesserungen aufzunehmen.

Mit der Kritikkompetenz, der Fähigkeit, Kritik nicht als Kränkung sondern als Motivation aufzufassen,  wäre der Weg geebnet, dringend anstehende Probleme zu lösen.

Welche Probleme? -  werden Sie fragen.

Zum Beispiel das weit verbreitete Problem des „Aussitzens von Problemen.

Zum Beispiel das weit verbreitete Problem des „Die dort Oben werden es schon richten.

Zum Beispiel das weit verbreitete Problem des „Wir haben das schon immer so gemacht, warum sollen wir uns auf unsere alten Tage noch verändern?

Und schließlich das weit verbreitete Problem „Alles Neue und eventuell Unbequeme mit Totschweigen zu ignorieren.

Allen Kritikern und allen Kritisierten wünsche ich einen wachen Geist und vor allem den Mut, zuzuhören und eventuell auch einmal quer zu denken.    Dieter M. Fliedner

KOLUMNE       26. 10. 2013

 

HUNDE oder TAUBEN

 

 

„Hundefreunde haben häufig ein umfangreiches Fachwissen und klare Wertvorstellungen. Nicht zuletzt deswegen betrachten sie den Hund bisweilen geradezu als so etwas wie ein entschlüsseltes Rätsel.

Lange Reihen von Rassestandards, Kommentaren, Bildbänden, Vereinsregularien und Lehrbüchern scheinen diese Auffassungen zu bestätigen. Heißt das, dass wir ohne Bedenken auf die Tugend der Offenheit verzichten können, die ein Hinterfragen, Durchdenken, Lernen und Umlernen von allem, was mit Hunden zu tun hat, erst ernstlich ermöglicht?

Oder brauchen wir doch immer wieder aufs Neue Problemstellungen, Materialien und Aussagen, die fruchtbare Diskussionen anregen, den Erwerb neuen Wissens zum Vergnügen machen und Handlungskompetenzen erhöhen?

 

Und ob wir das brauchen!

 

Und manchmal haben wir ja auch großes Glück und bekommen präsentiert, worauf wir so arg angewiesen sind.“………………..

 

Der Verfasser dieser Zeilen ist Professor Dr. Peter Friedrich, der Präsident des Verbandes für das Deutsche Hundewesen ( VDH ).

Entnommen ist dieser Text dem Geleitwort zum 2012 erschienenen Buch   HUNDE IN BEWEGUNG  von Martin S. Fischer und Karin E. Lilje.

Die Wissenschaftler vom Institut für spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Friedrich – Schiller – Universität Jena haben die Ergebnisse einer über Jahre angelegten wissenschaftlichen Studie zur Fortbewegung gesunder Hunde in Buchform vorgelegt und damit  wissenschaftliche Forschung in für den Laien verständliche und nachvollziehbare Form gebracht.

 

 

„Es gibt unzählige veterinärmedizinische Studien zum Bewegungsapparat von Hunden infolge krankheitsbedingter Veränderungen, viele Arbeiten zur Anatomie des Hundes, aber verhältnismäßig wenige Arbeiten zur Fortbewegung des gesunden Hundes.“ (Fischer, Lilie 2012, S. 8-9)

Und es gibt sehr viele Meinungen über die „richtige“ Anatomie und die „richtigen“ Winkelungen der Gliedmaßen.

Vor fast 25 Jahren hat Curtis M. Brown in seinem, den damaligen Wissensstand repräsentierenden, Buch zu diesem Thema geschrieben: „Einige der Konzepte zur Fortbewegung, die hier dargestellt werden, sind in unmittelbarem Konflikt mit der akzeptierten Tradition, so werden einige Kenner vehement widersprechen. Es ist an der Zeit, dass wir die Tradition überprüfen und zwischen dem, was Tatsache ist und was Fetisch ist, unterscheiden.“ (Brown, 1986, S. 17-18)

 

Fällt Ihnen beim Lesen dieser einleitenden Zeilen etwas auf?

Sicher, es handelt sich um Rassehunde und nicht um Rassetauben. Dennoch wird der interessierte Leser, die interessierte Leserin, so sie Taubenzucht betreiben, Einiges an Gemeinsamkeiten in der Betrachtung finden, das auch sie als Rassetaubenzüchter anspricht.

Die ersten Rassestandards für Hunde und die ersten Rassestandards für Tauben sind vor mehr als einhundert Jahren entstanden.

In beiden Fällen ist die Entwicklung in Europa von England ausgegangen.

Und in beiden Fällen hat sich die gezielte Zucht auf standardisierte Merkmale und Verhaltensweisen über den gesamten Erdball verbreitet.

Von Anfang an und bis in die heutige Zeit hinein gab es sowohl bei den Einen, wie bei den Anderen eine Zucht auf praktischen Nutzungszweck, wie auch die Motive der einfachen Freude am Tier, der Zierde, bis hin zum Ersatz als Sozialpartner.

Der grundlegende Unterschied liegt in der Definition

Heimtier oder Nutztier.

In der europäischen Union gibt es ein Übereinkommen vom 13. November 1987, wonach der Begriff Heimtier definiert ist. Der Haushund, also auch der Rassehund ist nach dieser Definition ein Heimtier, da sein ursprünglicher Nutzungszweck nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Haustauben, die Rassetauben, sowie das restliche Hausgeflügel gelten nach dieser Definition als Nutztiere. Sie werden wirtschaftlich genutzt, sei es als Zuchttiere, Mast- und Schlachttiere oder Erzeuger tierischer Rohstoffe. Dennoch gibt es oftmals die gleiche emotionale Bindung des Halters oder Züchters an seine Tiere, wie das bei den so genannten Heimtieren der Fall ist. Die Begriffe sind teils unscharf voneinander abgegrenzt und werden in der Alltagssprache durchaus auch vermischt. Noch schwieriger wird das bei der Zucht von reinen Ausstellungstieren. Hier kommt der sportliche Aspekt hinzu, die „Jagd“ nach Titeln und Ruhm. Wie auch im modernen Sport entscheiden nur noch wenige Punkte über Sieg oder Niederlage. Über Jahre hinweg werden einzelne Rassemerkmale zu so genannten Hauptrassemerkmalen hochstilisiert. Und der erfolgreiche Züchter und Aussteller wird züchterisch an dem Erreichen dieser Ziele arbeiten, das berühmte Alleinstellungsmerkmal suchen, um Meisterschaften ringen, um möglichst viele der begehrten Trophäen sein Eigen zu nennen.

Doch wie verhält es sich mit den ursprünglich aufgestellten Rassestandards?

In Jahren und Jahrzehnten der standardgerechten Zucht sind lange Reihen von Rassestandards entstanden, ganze Ordner von Satzungen, Bestimmungen und Vereinsregularien füllen die Regale der Zuchtorganisationen, Preisrichtervereinigungen und Züchterstuben.

Das meiste davon basiert auf akzeptierten Traditionen. Was davon

Tatsache ist und was Fetisch, ist oftmals nicht zu ermitteln.

Und wie das mit gepflegten und akzeptierten Traditionen so ist: Man richtet sich darin ein und mit der Zeit verwischen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit.

 

Die ursprünglich aufgestellten Rassestandards erscheinen dann auf einmal zu lang und zu detailliert, die Zahl der zum Wettstreit vorgestellten Tiere wird immer größer, der Zeit- und Wissensdruck auf die amtierenden Preisrichter erhöht sich und das dringend notwendige Hinterfragen, Durchdenken, Lernen und Umlernen tritt in den Hintergrund.

Man verwaltet und gestaltet letztendlich die Verwaltung!

 

Der Erwerb neuen Wissens macht unter diesen Umständen kein Vergnügen mehr.

Handlungskompetenz setzt aber Wissen voraus!

Tierzucht ist kein starrer Zustand. Sie unterliegt ständigen Anpassungen und Veränderungen.

Der schöne Satz auf der preisgekrönten Bewertungsurkunde

Dem Zuchtstand entsprechend VORZÜGLICH“ sollte fachlich untermauert sein, immerhin stellt er die höchstmögliche Bewertungsnote dar.

Die Grundlage für diese Bewertungsnote ist die gültige Satzung des BDRG mit seinen Allgemeinen Ausstellungsbestimmungen (AAB) und der für diese Rasse geltende Rassestandard.

Unter Punkt VII. der Allgemeinen Ausstellungsbestimmungen (AAB) stehen die für die Bewertung von Rassegeflügel angewendeten

Bewertungsgrundsätze.

Hier heißt es: „Bei allen Rassen ist u. a. ein besonderes Augenmerk auf die Harmonie von Skelett, Muskulatur und Gefieder gemäß Standard zu richten, wobei das Verhältnis von Größe und Körpergewicht zu beachten ist.“ (Satzungen und Bestimmungen, Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter e. V. 2003)

Standard bedeutet in diesem Fall „Muster“ oder „Norm“ und beinhaltet das s. g. Musterbild und die Musterbeschreibung.

In diesen Musterbeschreibungen sollten nach den Satzungen und Bestimmungen sowohl Angaben zu Skelett, Muskulatur und Gefieder, als auch Größen- und Gewichtsangaben zu finden sein.

Doch sind diese Angaben wirklich zu finden?

 

Vor einigen Tagen ist die 5. Ergänzungslieferung des Deutschen Rassetaubenstandard erschienen. Die „Offizielle Musterbeschreibung des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) e. v.“ ist auch in seiner neuesten Fassung in großen Teilen widersprüchlich und fachlich unzureichend.

Würde eine, einem Gesetzesblatt angemessene Betrachtung stattfinden, so müsste man konstatieren, dass die offiziellen Musterbeschreibungen nicht den in den Satzungen geforderten Bedingungen entsprechen!

Wo findet sich das geforderte „Bei allen Rassen ist u. a. ein besonderes Augenmerk auf die Harmonie von Skelett, Muskulatur und Gefieder gemäß Standard zu richten“?

Ferner findet sich in keiner einzigen gültigen Musterbeschreibung eine Angabe über „das Verhältnis von Größe und Körpergewicht“.

Zur Ermittlung eines Verhältnisses von Körpergröße und Gewicht benötigt man Maß- und Gewichtsangaben!

Eine Aufzählung der Begriffe Kopf bis Gefieder unter der Standardposition Rassemerkmale stellt kein „besonderes Augenmerk auf die Harmonie von Skelett, Muskulatur und Gefieder gemäß Standard“ dar.

Allenfalls sind es anatomische Begriffe, die in der nachfolgenden Begriffserklärung nicht selten wieder ad absurdum geführt werden.

Das Widersinnige, die Unsinnigkeit die in mancher Beschreibung steckt, dient nicht dem Erwerb neuen Wissens.

Schon gar nicht taugt es als fachliche Basis eines Regelwerkes!

Zum besseren Verständnis einige Beispiele:

 

Beneschauer Tauben – „Flügel: Muskulös,…….“

Der Flügel besteht aus den Flügelknochen, den Flughäuten, der Muskulatur, den Sehnen und Bändern sowie den Federn.

Jeder Vogel besitzt etwa 50 verschiedene Muskeln, die der Bewegungen der Flügel dienen. Der größte davon ist der große Brustmuskel ! Er setzt am Brustbeinkamm an und sorgt für die Bewegung des Flügels nach unten und vorn.

 

Prachener Kanik – „Läufe: Mittellang, unbefiedert, mit hellen Krallen“.

Können Läufe helle Krallen haben?

 

Malteser – Läufe: „Schenkel lang hervortretend.“, „Gelenk gestreckt.“

Der Lauf ist ein Teil der Beinknochen, aus dem kein Schenkel hervortreten kann.

Ein Gelenk sollte aus Gründen des Tierschutzes nicht gestreckt werden!!

Mit der Formulierung „Gelenk gestreckt“ ist sicherlich die Gelenkstellung des Sprunggelenkes gemeint, der Grad der Winkelung zwischen Lauf und Unterschenkel.

  

Florentiner – „Schwingen leicht gebogen erscheinend“.

Erscheinungen haben in einem Standard nichts zu suchen!

 

Elsterpurzler – „Läufe mittelhoch, glatt.“

Mittelhoch oder „mittellang“? Was ist ein „glatter“ Lauf?

 

Dies sind einige Beispiele, denen noch weitere folgen könnten.

Wann wird man in den Reihen der Verantwortlichen in der deutschen Rassetaubenzucht beginnen, über diese Diskrepanz nachzudenken um entsprechende Schlüsse zu ziehen?

Vielleicht haben wir ja auch „großes Glück und bekommen präsentiert, worauf wir so arg angewiesen sind.“ (Prof. Dr. Peter Friedrich, VDH)

 

Im ebenfalls 2012 erschienenen Buch

Die Gestalt der Taube The Artist`s Guide to Pigeon Anatomy,

welches vom Verfasser geschrieben und herausgegeben wurde, ist im Geleitwort des 1. Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Rassetaubenzüchter (VDT), Harald Köhnemann, folgendes nachzulesen:

„Mit dieser Arbeit ist der Künstler und Taubenfreund Dieter Fliedner tief in den wissenschaftlichen Bereich vorgestoßen.

Er verschafft damit uns und den zukünftigen Generationen die Grundlage, die gezüchteten Rassen komplett zu bewerten und einzuordnen. Wir sind nun in der Lage, fundiert auf Anklagen, bezogen auf bestimmte Rassemerkmale, zu reagieren.

Wir haben durch seine Arbeit die Möglichkeit, die oberflächlichen Bewertungen, die nur durch Betrachtung des Phänotyps entstehen, zu entlarven.“ (H. Köhnemann, Geleitwort Die Gestalt der Taube The Artist`s Guide to Pigeon Anatomy 2012, Seite 14)

Ob wir diese Arbeit wirklich brauchen, entscheiden Sie selbst!

 

Dieter M. Fliedner

 

KOLUMNE

 

Ja, Sie haben recht: Es muss nicht Alles und Jedes kommentiert werden.

Vieles wird ohnehin nicht angeschaut oder gar gelesen und wenn doch, dann meist mit dem guten Glauben daran, dass in „meiner Fachzeitschrift“ nichts „Verdächtiges“, nichts „gar zu Flaches“ und schon gar nichts „Falsches“ steht.

 

Diesen Glauben will Ihnen auch niemand nehmen!

 

Geht es Ihnen aber wie mir, dass Sie nachts um drei Uhr wach werden und sich die müden Augen zweimal reiben, weil Ihnen erstens der Zeitpunkt des Erwachens doch ein wenig früh erscheint und zweitens der Inhalt des am gestrigen Abend Gelesenen immer noch im Kopf herumspukt, dann machen Sie es wie ich: Schreiben Sie auf, was Sie bewegt und hoffen Sie, dass das Aufgeschriebene irgendwann einmal gelesen und im besten Falle auch verstanden wird.

 

So ist Ihr Kopf wieder frei, der bittere Nachgeschmack zieht sich

in seine Niederungen zurück und wie aus des Druiden Zauberhand empfangen,

erstrahlt er wieder - der schon fast verloren Geglaubte -  

der Heiltrank für den Alltag: der Humor.

 

Dieter M. Fliedner

Status quo

 

Was ist schon ein Jahr im großen Weltenlauf ?

Ein Wimpernschlag allerhöchstens, mehr nicht.

Und dennoch sind es 365 Tage, die, sind sie mit Leben erfüllt, einiges bewegen können.

 

Genau vor einem Jahr, am 4. und 5. August fand in

Annaberg – Buchholz das 9. VDT – Meeting der deutschen Taubenzüchter statt.

Nun ist ein Meeting eine Zusammenkunft, ein Treffen, auch eine Sportveranstaltung im kleinen Rahmen. All das war Annaberg-Buchholz und noch ein klein wenig mehr.

Neun Referenten haben an zwei Tagen ein interessantes und abwechslungsreiches Programm absolviert.

Und den Stimmen während und nach der Veranstaltung war durchaus Begeisterung anzumerken.

Doch was ist in dem nun vergangenen einen Jahr geschehen?

Der Verfasser kann nur aus seinen Erfahrungen und seinen Eindrücken berichten.

Was ist aus seinen Ausführungen, seinen anatomischen Betrachtungen über die Gestalt der Taube geworden und was haben die Zuhörer sprich die „Nutzer“ dieser Veranstaltung daraus profitieren können?

Das Buch „Die Gestalt der Taube - The Artist`s Guide to Pigeon Anatomy“ ist pünktlich zur EE- Europaschau 2012 in Leipzig erschienen. Die Möglichkeit, auch das zu betrachten, was unter dem Federkleid der Tauben zu finden ist, wurde auf dem Ausstellungsstand von vielen Besuchern aus der ganzen Welt genutzt.

Die Begeisterung und das Erstaunen waren bei jung und alt deutlich zu spüren.

Selbst einige der „alten Recken“, die schon fünfzig und mehr Jahre Schwungfedern zählen, gaben ehrlich zu, den Blick nach innen, in das „drunter“ - unter dem Federkleid, so noch nicht „riskiert“ zu haben.

Einige Besucher haben mit völligem Desinteresse reagiert, manche waren einfach nur überrascht.

Dem „Risiko“ des Blickes in eine ungewohnte, ja fremde Welt ist  auch die Mehrzahl der Verantwortlichen für das Standard- und Preisrichterwesen ausgewichen. Warum?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.

Die Überschrift dieses Beitrages gibt vielleicht einen kleinen Hinweis.

Status quo, ein aktueller Zustand, beschreibt den gegenwärtigen Zustand einer Sache, der zwar problembehaftet ist, bei dem aber die bekannten Möglichkeiten zur Auflösung der Probleme ebenfalls problembehaftet sind.

Wir kennen das aus der Zeit des „Ost- West- Konfliktes“. Hier bedeutete es das Festhalten an alten gefügten Strukturen und Stillstand.

Was daraus geworden ist, durften wir glücklicherweise miterleben.

 

„Die Rassegeflügelzucht und das Ausstellungswesen sind soziale Angelegenheiten, bei denen es auch um ein freundschaftliches Miteinander im Hobby geht. Daher sind auch Preisrichter einem sozialen Druck unterworfen, wenn ihnen Tiere präsentiert werden, die nicht dem geschriebenen Standard entsprechen. Und der Spagat, den die Preisrichter vollbringen müssen, wird um so größer, je weniger die offizielle Musterbeschreibung zu den gezeigten Tieren passt und umgekehrt. In der Praxis werden offenkundige Abweichungen der gezeigten Tiere von geforderten Rassemerkmalen in einigen Rassen und Farbenschlägen über Jahrzehnte, bei der Porzellantaube über ein Jahrhundert übersehen.“

Diese Zeilen stammen aus einem aktuellen Beitrag von Prof. A. Sell auf seiner homepage http:www.taubensell.de/aktuelles .

Prof. Sell hat hier in seiner fundierten Art das Problem der „Taubenstandards und Musterbilder“ dargestellt.

 

Wäre es nicht sinnvoll, über den Status quo zu sprechen, zu diskutieren und einen Ausweg aus dem problembehafteten

„Ist-Zustand“ zu suchen?

Das man durchaus schnell sein kann, beweist der aktuelle Beitrag vom

7. 08. 2013 auf www.vdt-online.de.

Hier heißt es mit Blick auf das nächste VDT – Meeting: „So zeitig ging die Post in dieser Angelegenheit noch nie ab. Schließlich geht es um den ersten runden Zahlenwert dieser Veranstaltung und ein möglichst vollkommenes Programm“.

Dass das nächste Treffen 2015 Sommerakademie heißen wird, stimmt zuversichtlich, immerhin bedeutet das „Lehrveranstaltung“, hoffen wir, dass die Zeit bis dahin nicht nur mit „runden Zahlenwerten“ verbracht wird.

 

Dieter M. Fliedner

„Alles im Leben hat seine Zeit und es ist sehr viel sinnvoller, die vor uns liegende zu gestalten, als der vergangenen nachzuweinen.“

 

Dieser Satz ist den Lebenserinnerungen  „Jagd“  von  Dr. Bernd Prüger, einem passionierten Jäger und Naturfreund entnommen.

Nun könnten sie fragen- was hat die Jagd mit der Tauben- und Geflügelzucht zu tun?

Auf den ersten Blick nichts, bei weiterer Überlegung tun sich aber doch einige Gemeinsamkeiten auf.

Beides, die Jagd wie die organisierte Tauben- und Geflügelzucht haben eine lange Geschichte und starke Traditionen.

Und beide haben in neuerer Zeit ein gewisses Wahrnehmungsproblem. Damit ist sowohl die Wahrnehmung von außen, wie die Selbstwahrnehmung gemeint.

„Alles im Leben hat seine Zeit“ und alles steht im Zusammenhang mit seiner Zeit. Gesellschaftliche Normen, Besitzstände und Moden unterliegen den Bedingungen der jeweiligen Zeit.

Brüche gibt es in jeder Zeit, seien es unabwendbar natürliche Phänomene oder solche, die der menschlichen Unvernunft entspringen.

Entscheidend ist die Wahrnehmung. Wie stehe ich zu Veränderungen und wie gehe ich mit veränderten Bedingungen um?

Geschichtsbewusstsein ist wichtig, Traditionspflege kann bereichernd für Jung und Alt sein. Gelebt wird aber die Gegenwart.

Das Verhältnis zur Kreatur, ob es die Wildtiere in Feld und Wald oder die Haus- und Nutztiere sind, ist in den meisten Fällen heute ein anderes, als vor hundert oder zweihundert Jahren. Und damit muss man umgehen können und wollen.

„Taubenzüchtersprache“ und „Jägerlatein“ sind in geselliger Runde von Gleichgesinnten etwas sehr amüsantes.

Zur Verständigung mit „Nichteingeweihten“ und das dürfte die Mehrheit der Bevölkerung sein, wird man sich einer allgemein verständlichen Sprache und einem eben solchen Handeln befleißigen müssen. So beugt man Missverständnissen vor und schafft Interesse und Verständnis.

Eine positive, offene und vor allem ehrliche Ausstrahlung bewirkt in den meisten Fällen die gewünschte Wahrnehmung durch andere.

Dieter M. Fliedner